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MELIORATION FELDIS

Vor einigen Jahren wurde per Volksabstimmung für Feldis die Melioration beschlossen. Möglich wurde dies erst nach der Fusion zur Gemeinde Tomils. Die Feldiser selber haben davor die Melioration mehrmals abgelehnt. „Dank“ der Fusion wurden sie dann von den anderen Gemeindefraktionen überstimmt.

Wie in vielen anderen Gemeinden gibt es auch in Feldis hunderte von kleinen Landwirtschaftsparzellen, die über Generationen durch Erbteilung entstanden sind.

Sicher macht es Sinn, dass diese wieder zusammengelegt und zur Erleichterung der Bewirtschaftung neu aufgeteilt werden. Auch ohne Melioration haben die Feldiser Bauern bisher ab und zu Flächen sinnvoll unter einander getauscht.

Leider ist mit einer Melioration immer auch ein intensiver Ausbau und Neubau von Strassen verbunden. Meliorationen sind nur aus Sicht der Menschen, v.a. der Landwirte eine „Verbesserung“. Für die Natur sind sie ein massiver Eingriff und die Biodiversität nimmt nach Meliorationen erwiesenermassen immer markant ab. Strassenbau bedeutet die Zerschneidung von Lebensräumen, mehr Verkehr, mehr Menschen in bislang mässig begangenen Gebieten, schwere Traktoren und Maschinen in steilem Gelände und nicht zuletzt die Überdüngung und Ausräumung der artenreichen Wiesen, weil Güllenfass und Siloballenpresse besser Zugang haben.

Aus Sicht der Befürworter (oder doch nur der Baulobby?) ist dies natürlich alles nötig um die Bewirtschaftung der schwer zugänglichen Flächen sicher zu stellen. Ob solche bewirtschaftet werden oder nicht, hängt jedoch in Tat und Wahrheit nicht von Erschliessungsstrassen ab. Es ist ein strukturelles Problem. Es hängt vor allem von der Beschaffenheit der Flächen ab: geben diese wenig Ertrag her und sind zudem zu steil, uneben, feucht oder steinig, kurz: wenn sie nicht mit Maschinen gemäht werden können, werden sie schnell einmal sich selbst überlassen. Wer will es den Bauern übelnehmen? In Zeiten wo wir lieber für ein Nachtessen zu zweit 150 Franken bezahlen als 5 Franken für einen Liter Milch oder 10 Franken für ein Kilo Obst, oder grad Billigware im Ausland einkaufen, wo sich keine Mägde und Knechte mehr finden lassen, die Kinder im Sommer nicht mehr Geissenpeter sein können und manch Partner/manche Partnerin (so denn welche gefunden werden) verständlicherweise in ihrem angestammten Beruf weiter tätig sein wollen? Die immer grösser werdenden Flächen müssen durch immer weniger Personen bewirtschaftet werden. Da wird Handarbeit schlicht unmöglich und es kann nicht mehr kostendeckend produziert werden.

Für Feldis ist geplant, dass praktisch alle Naturstrassen (Kies) der Land- und Forstwirtschaft zu Betonspuren ausgebaut werden sollen. Das schöne Natursträsschen nach Titt, gut befahrbar für kleine Traktoren und Bergbauernfahrzeuge, soll Betonspuren weichen, damit auch übergrosse Traktoren darauf Platz haben.

Überall gibt es neue Betonspuren: von Plaun Graund nach Zeus, die Wege über Sableun, über Tuals sogar durch einen wunderschönen Eichenwald, um nur einige Beispiele zu nennen.

Um das Mass voll zu machen ist oberhalb von Pro Niev in einem bisher unberührten Gebiet eine neue Strasse geplant mit dem Argument, so könne der Verbuschung entgegengewirkt und gleich noch eine Schlittelpiste gebaut werden. Die Strasse wird auch als Basis-Erschliessung deklariert für einen künftigen Ausbau der Alpstrasse. Letztere jedoch wurde im Projekt zurückgestellt, weil sie gar nicht finanzierbar ist.

 

Dies alles im Namen der Landwirtschaft mit Geldern vom Staat (das Planungsbüro rechnet mit folgenden Beiträgen: Bund 49%, Kanton 36%, insgesamt knapp 8,4 Mio Franken; von den Restkosten soll die Gemeinde rund 1,1 Mio bezahlen, die Grundeigentümer 1,65 Mio.), der handkehrum mit Öko-Beiträgen genau das fördern will, was er mit der Finanzierung von Meliorationen kaputt macht. Wäre es dem Staat ernst damit, unsere Biodiversität zu erhalten, müsste er die Kleinbauern fördern, die mit angepassten Fahrzeugen und Viehbestand kleine Flächen pflegen und dazu keine breiten Strassen brauchen. Die Landwirtschaftsfahrzeuge sollten der Berglandschaft angepasst werden und nicht umgekehrt. In gewissen Fällen müsste man sich auch fragen, ob nicht die Verbuschung der intensiven Landwirtschaft und ihren Folgen vorzuziehen ist. Mehr Raum für die Natur wäre damit auf jeden Fall gewährleistet.

 

Wer neben den Planungsbüros und Tiefbauunternehmen sonst noch von einer Melioration profitiert ist die Gemeinde. Befestigte Strassen benötigen weniger Unterhalt als Kieswege. Sie kann also Unterhaltsarbeiten sparen und die Befestigung ist zum grössten Teil durch andere bezahlt (s. oben). Spart sie damit vielleicht schon bald einen der wenigen verbliebenen Arbeitsplätze im kleinen Dorf Feldis ein? Mit den 1,1 Mio., welche für die Melioration bezahlt werden müssen, könnte mindestens für 10 Jahre eine Person für den Strassenunterhalt angestellt werden.

 

Meliorationen sind gesetzlich so geregelt, dass, sind sie einmal beschlossene Sache, nur noch Landbesitzer mit Flächen in den betroffenen Gebieten Einwände zu den geplanten Strassen erheben können. Verständlicherweise sind die wenigsten Landwirte dagegen, ihre Wiesen mit Strassen zu erschliessen.

In Feldis hat sich eine kleine Gruppe von Einheimischen und Feldis-Liebhabern mit Einspracherecht gefunden, die sich gegen das übermässige Betonieren und Anlegen unnötiger neuer Strassen wehrt. An unserer Seite kämpft auch Pro Natura, die als Verband das nötige Beschwerderecht hat.

 

Wir haben grosse Hoffnung, dass wir so das Schlimmste verhindern und mithelfen können, die grossartige Biodiversität von Feldis zu erhalten.

 

Aber auch jede und jeder Einzelne von uns kann zu einer biodiversen Landwirtschaft beitragen. Statt die Landwirte zu kritisieren, sollten wir vermehrt versuchen, ihre Lage, an die wir durch unser Verhalten beitragen (s. oben) zu verstehen und sie besser zu unterstützen: zum Beispiel mit dem Kauf ihrer Produkte direkt ab Hof oder der Unterstützung von Initiativen wie Solidarische Landwirtschaft – solawi.ch, Nose to tailkuhteilen.ch, alpomat.ch, etc. Und wieso nicht Ferien in Feldis machen und in dieser Zeit an mindestens 1-2 schönen Tagen dem Bauern beim Heuen helfen? Die Blumenwiesen werden während der ersten Schönwetterlage nach dem 15. Juli gemäht. Da sind helfende Hände von trittsicheren, körperlich fitten Personen mit Ausdauer willkommen. Mähgut zusammen rechen ist eine anstrengende und zeitaufwändige Arbeit. Je mehr Personen helfen, desto ringer geht es – dann kann vielleicht sogar auf den Laubbläser verzichtet werden. Interessierte melden sich am besten direkt bei einem Bauern in Feldis oder über die Webseite Freiwilligen-Einsätze. Im Frühling könnten die Äste aus den Waldweiden gelesen oder beim Zäunen geholfen werden, im Herbst müssen die Zäune auf dem Gelände der Skipisten wieder abgebaut werden… Arbeit gäbe es (fast) immer.

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Bilder: E. Scherz, M. Knöpfel, B. Tscharner, G. Frey

Texte: G. Frey und E. Scherz

Webdesign: M. Sulger Büel

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